18.01.2018

Hoch hinaus mit der DACH+HOLZ International

Die DACH+HOLZ International widmet sich vom 20. bis 23. Februar 2018 in Köln zukunftsweisenden Nutzungsmöglichkeiten von Dachflächen. Im Forum „ZUKUNFT DACH“ erläutern am 21. Februar Architekten und Start-up-Unternehmen aktuelle Entwicklungen, neue Lösungsansätze und interessante Projekte rund um das Trendthema. Dirk Bollwerk, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Dachdeckerhandwerks, erklärt im Interview, welche Chancen dieser internationale Trend mit sich bringt.


Dachbegrünungen liegen im Trend. Wie können Dachdecker davon profitieren?
Man kann Deutschland mit Fug und Recht als Vorreiter für das Thema Dachbegrünung bezeichnen. Weltweit ist hier der größte Markt für Gründächer und die deutsche Gründach-Technik wird zudem ins Ausland exportiert und dort eingesetzt. Mit rund 10 Mio. Quadratmeter inländischer Fläche Zuwachs pro Jahr ist Deutschland weltweit größter Markt. Zum Vergleich Frankreich: 1 Million Quadratmeter, USA weltweit nur auf Platz zehn. Deutschland hat darüber hinaus mit geschätzt 100 bis 150 Mio. Quadratmetern weltweit die größte Fläche an ausgeführter Dachbegrünung. Hier kann der Dachdeckerbetrieb punkten, indem er beispielsweise seine Kunden über Förderprogramme für Gründächer berät. Dachdecker tragen mit der Gestaltung von Gründächern zur Umsetzung der ehrgeizigen Klimaziele bei und profitieren somit auch vom Image als Klimaschützer.

Gibt es regionale Unterschiede in der Gebäudebegrünung?
Für die einzelnen Städte liegen beeindruckende Zahlen vor: Die Gesamtfläche von Gründächern beträgt in München circa 3,15 Millionen, in Stuttgart ca. 2 Millionen oder in Hamburg rund 1,25 Millionen Quadratmeter. Auf Grundlage der Landesbauordnungen wurden in der Vergangenheit in einigen Bundesländern Begrünungssatzungen erlassen, die auch die Dach- und Fassadenbegrünungen implizieren. Außerdem gibt es in vielen Kommunen Sonderprogramme zur finanziellen Bezuschussung von Hof-, Dach- und Fassadenbegrünungen. In Baden-Württemberg ist Dach- und Fassadenbegrünung beispielsweise seit 2015 Pflicht, und auch in Bayern müssen Dächer ab einer bestimmten Fläche begrünt werden. Dies spiegelt sich in der großen Gesamtfläche der Gründächer in Stuttgart und München wider.

Besteht im Dachdeckerhandwerk Informationsnachholbedarf, zum Beispiel beim Erfahrungsaustausch mit Landschaftsarchitekten oder bei gesetzlichen Regelungen?
Ich glaube, dass das Dachdeckerhandwerk hier gut aufgestellt ist. Wir stellen fest, dass die Möglichkeit, Dachbegrünungen als Auflage im Bebauungsplan festzusetzen, von vielen Kommunen mit Erfolg angewandt wird. Auch wenn Einzelne von „Ökodiktat“ oder „Zwangsbegrünung“ sprechen, ist der Nutzen für die Allgemeinheit immens. So können Abwasserkanäle und Regenrückhaltebecken geringer dimensioniert werden, da ein Großteil des Regenwassers auf den Dächern verbleibt und verdunstet oder erst mit zeitlicher Verzögerung abgegeben wird. Die Vorteile sind den Dachdeckerbetrieben bekannt und werden auf der DACH+HOLZ International 2018 in Köln ein Schwerpunkt sein.

Welche Vorteile bringen Dachbegrünungen mit sich?
Es gibt viele Vorteile, zum Beispiel bei neuen Nutzungsmöglichkeiten von Dächern. Grünflächen reinigen die Luft von Staub und Schadstoffen und verbessern das Klima vor Ort. Die Vegetation reguliert die Temperatur des Gebäudes: Im Winter bleibt die Wärme drinnen, im Sommer draußen. Dadurch geht bis zu zehn Prozent weniger Energie durch das Dach verloren. Auch als Lärmschutz taugt die Dachbegrünung, denn die Schalldämmung des Daches kann im Inneren des Gebäudes die Lärmbelastung bis zu acht Dezibel senken. Und zu guter Letzt können Terrassen und Kleingärten angelegt oder als landwirtschaftliche Fläche genutzt werden. Stichwort Urban Farming. Kombiniert mit einer Photovoltaikanlage wird das Gründach zum Stromlieferanten.

Sind Stadtplaner ein neuer Kundenkreis für Dachdecker?
Auf jeden Fall sind auch Stadtplaner eine willkommene Zielgruppe der Messe. Denn deutlich wird, dass wir immer dringender neue Ideen für eine moderne Stadtplanung benötigen, ob es nun um Gründächer geht oder um Schaffung neuen Wohnraums durch Dachaufstockung. Aber auch wenn es um Sanierungen, Restaurierung oder Denkmalpflege geht, sind Dachdecker für Städteplaner wichtige Ansprechpartner.

Herr Bollwerk, besten Dank für das Gespräch!


Pressemitteilung als Download:
12_Zukunft_Dach_Interview_D_H2018_DE.pdf
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