18.01.2018

„ZUKUNFT DACH“ auf der DACH+HOLZ International

Mehr Grün gegen Lärm, Feinstaubbelastung und die Überhitzung der Städte: Mit dem Thema Dachbegrünung und grüne Gebäudehülle widmet sich die DACH+HOLZ International vom 20. bis 23. Februar 2018 auf dem Messegelände Köln einer wichtigen Zukunftsfrage. Dabei geht es nicht nur um positive Effekte für Städte und die Menschen, die dort wohnen, sondern auch für das Handwerk, das die Projekte umsetzt.


Bereits heute leben rund 75 Prozent der Bevölkerung in Deutschland im urbanen Raum. Tendenz steigend. Mit der städtischen Verdichtung einhergehen Herausforderungen wie steigende Temperaturen, Lärm-, Umwelt- und Feinstaubbelastung. Herausforderungen, denen man mit mehr Pflanzen in den Städten begegnen könnte, sei es auf dem Dach, an der Fassade, in Innenhöfen oder als Gesamtkonzept für ganze Stadtteile. Die Begrünung von Gebäudehüllen ist ein entscheidendes Zukunftsthema, nicht nur für Städteplaner, Kommunen, Architekten und Landschaftsgärtner, sondern auch für das Dachdecker- und Klempnerhandwerk. Die DACH+HOLZ International bietet einen eigenen Ausstellungsbereich zum Thema Dachbegrünung in Halle 6. Zudem widmet sich am Mittwoch, 21. Februar das Forum „ZUKUNFT DACH“ zahlreichen Beispielen neuer Nutzungsmöglichkeiten von Dächern. Dort erläutern Start-up-Unternehmen aktuelle Entwicklungen, neue Lösungsansätze und interessante Projekte rund um das Trendthema. Dabei geht es unter anderem um die Aufstockung von Parkhäusern mit Modulbauten, um die Vermittlung zwischen Bauherren, Architekten und Handwerksbetrieben, was mit ungenutzten Dächern auf Bestandsgebäuden geschehen kann, und um die Anlage von Gemeinschaftsgärten auf Dächern.

Welche Voraussetzung müssen erfüllt sein, um ein Dach oder eine Gebäudehülle begrünen zu können? Was ist dabei zu beachten? Wie wird ein solches Projekt richtig umgesetzt? Fragen, die Experten wie Rudi Scheuermann auf der DACH+HOLZ International beantworten. Der Architekt und Leiter des Building Envelope Teams bei ARUP stellt in seinem Vortrag am 21. Februar um 16:20 Uhr das Forschungsprojekt „Cities Alive: Grüne Gebäudehüllen“ vor. Rund 40 Prozent der städtischen Flächen sind Dächer. Auf ihnen ist Platz für mehr Grün, das den negativen Klima- und Lärm-Effekten entgegenwirken könnte. Nur 20 Prozent der Gebäudehülle und 20 Prozent der Gebäude reichten aus, um Lärm und Feinstaubbelastung zu reduzieren und die Temperaturen signifikant zu senken, sagt Architekt Rudi Scheuermann. Für Handwerker wie Dachdecker und Zimmerer bietet dies neue Möglichkeiten.

Das Forum „ZUKUNFT DACH“ (Halle 6, Stand 6.327) findet am Mittwoch, 21. Februar ab 15 Uhr statt. Die Teilnahme ist für Besucher der DACH+HOLZ International kostenfrei. Weitere Informationen unter www.dach-holz.com/programm.

PROGRAMM:

15:00 – 15:10 Uhr  Begrüßung durch Moderator Martin Proeßler

15:10 – 15:30 Uhr  Reshuffle Society – Mit dem Potential des Dachausbaus die Gesellschaft neu mischen
                             Tobias Sebastian Müller I obenplus I München

15:30 – 15:50 Uhr  Nachhaltige, modulare Aufstockung und Revitalisierung ungenutzter City-Hot-Spots
                             Björn Hiss I MQ Real Estate I Berlin

15:50 – 16:10 Uhr  Dachatlas - Ökologische und ökonomische Potenzialerfassung
                             Marco Zerjav I Gardensharing I München

16:20 – 17:00 Uhr  Cities Alive: Grüne Gebäudehüllen
                             Rudi Scheuermann I ARUP I Frankfurt

REFERENTEN UND VORTRÄGE

Tobias Sebastian Müller, obenplus, München
Reshuffle Society – Mit dem Potential des Dachausbaus die Gesellschaft neu mischen

obenplus® ist eine Onlineplattform zur Generierung nachhaltiger Programme und vielfältiger Möglichkeiten der Nachverdichtungen durch Aufstockung im urbanen Raum. Illustrative und ästhetische Impulse auf der Plattform geben Anreiz, die brachliegenden Räume über den Häusern neu zu nutzen. Dabei soll vor allem das Potenzial der Nachverdichtung durch Dachausbau und Dachaufstockung daran gekoppelt werden, eine nachhaltige Struktur für eine soziale Mischung im gesamten Stadtbild aufrechtzuerhalten und für die Zukunft auszubauen.
obenplus® vermittelt zwischen ArchitektenInnen, Bauenden, HandwerkerInnen und Behörden, um mit dem Ausbau der Dächer lebenswertere, interessantere, attraktivere, sozialere und damit auch resilientere Städte für das digitale Zeitalter zu schaffen.
Alleine in Deutschland gibt es ein Potenzial von 1,5 Millionen Wohnungen in den leeren und ungebauten Etagen. Dieses Potenzial möchte obenplus® so nutzen, dass ein nachhaltiger und gesellschaftlicher Mehrwert für die Stadt und all ihre Bewohner entsteht. Mit dem spezifischen Dachausbau kann nicht nur mehr Wohnraum, sondern eine stadtteilübergreifende Wohnstruktur geschaffen werden, die eine soziale Mischung in allen Stadtteilen aufrecht erhält und somit negativer Segregation und Gettoisierung entgegenwirken könnte. Mehr dazu und Beispiele zum Thema Dachausbau unter www.obenplus.de

Nach einem Abschluss als staatlich anerkannter Holzbautechniker studierte Tobias Sebastian Müller Architektur an der TU München und schloss nach einem DAAD-Stipendienaufenthalt in Brasilien mit dem Master ab. Im Rahmen seiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Entwerfen und Holzbau bei Prof. Kaufmann an der TU München arbeitete Müller unter anderem am Internationalen Design Studio „Desertwood“ Holzbau in Kairo mit und war am Workshop „Social Housing Brazil“ der TU Berlin und der UdK Berlin beteiligt. Im Jahr 2017 gründete er die Onlineplattform obenplus®.

Björn Hiss, MQ Real Estate, Berlin
Nachhaltige, modulare Aufstockung und Revitalisierung ungenutzter City-Hot-Spots

Die MQ Real Estate ist eine 2014 gegründete Projektentwicklungsgesellschaft, die es sich zum Ziel gemacht hat, ungenutzte City Hot Spots durch eine nachhaltige, modulare Aufstockung zu revitalisieren. Sie entwickelt Ingenieurs- und Baulogistiklösungen für den Einsatz von seriellem, modularem Holz-Systembau in der Hotel- und Wohnungswirtschaft, um ein skalierbares, kosteneffizientes und nachhaltiges Bauen zu ermöglichen. Zudem stellt MQ besondere Vertragslösungen bereit, um auf Bestandsgebäuden zur Miete, Erbpacht oder im Teileigentum zu bauen und diese Räume langfristig betreiben zu können. Erst die Kombination aus modularen (an anderem Standort mit vergleichsweise geringen Versetzungskosten wiederverwendbaren), hochwertigen Gebäuden und vorgenannten Vertragslösungen macht diesen Projektentwicklungsansatz möglich, der am Beispiel des Großprojekts Skypark Berlin vorgestellt wird.

Björn Hiss studierte Internationale Wirtschaft in Passau und absolvierte sein darauffolgendes Masterstudium mit dem Schwerpunkt Real Estate Investment and Finance an der EBS. Er kann inzwischen auf über 10 Jahre Erfahrung als Unternehmer und Projektentwickler zurückblicken. Neben Consulting-Tätigkeiten bei Volkswagen und im Business Development bei der Dow Chemical Company, konzentriert er sich seit 2013 auf Start-Ups und begründet im Sommer 2014 zusammen mit Dr. Nikolai Jäger MQ Real Estate als Geschäftsführer für den Bereich Projekte.

Marco Zerjav, Gardensharing, München
Dachatlas - Ökologische und ökonomische Potenzialerfassung

Marco Zerjav wird die Technologie und die besonderen Funktionen des Dachatlas vorstellen. Es handelt sich dabei um eine Plattform, mittels derer das ökologische 
und ökonomische Potenzial von Dachflächen erfasst, anwenderfreundlich aufbereitet und unterschiedlichen Interessenten digital zugänglich gemacht wird. Zerjav erklärt in seinem Vortrag die Vorteile für die Nutzer und zeigt mögliche Erlösmodelle auf.

Marco Zerjav ist seit vielen Jahren als IT-Consultant und Business-Developer im Bereich innovativer Geschäfts- und Erlösmodelle tätig. 
Digitalisierung und kreative Zerstörung ineffizienter Prozesse sind sein Thema und haben aus seinem privaten Engagement als 
Urban-Farmer das Projekt Dachatlas entstehen lassen.

Rudi Scheuermann, ARUP, Frankfurt
Cities Alive: Grüne Gebäudehüllen

Urbane Gebiete werden stetig nachverdichtet, die Anzahl komplexer Gebäuden nimmt kontinuierlich zu. Die Widerstandfähigkeit von Städten hängt dabei unter anderem von den einzelnen Elementen ab, die die Stadt kollektiv zu einem funktionalen Ort gestalten.
Wenn es also keine oder nicht ausreichend verfügbare Flächen für eine grüne Infrastruktur gibt, müssen neue Bereiche gefunden werden, die ein Gegengewicht zu den zunehmenden Negativeffekten der Bebauung wie Umgebungslärm, Feinstaubkonzentration und städtische Hitzeinseln darstellen. Denn alle diese Negativeffekte wirken einer natürlichen Gebäudelüftung entgegen und müssen durch künstliche Belüftung und Klimatisierung im Betrieb größerer Projekte kompensiert werden. Dieser Energieverlust kann eingespart werden.
 
In seinem Vortrag zeigt Rudi Scheuermann, dass die Umsetzung von “Cities Alive: Grüne Gebäudehüllen” zusammen mit einigen recht hohen Auflagen zwar eine Herausforderung ist, aber gleichzeitig auch eine Bereicherung auch der Design-Kultur darstellt.

Rudi Scheuermann hat an der Karlsruher Universität Architektur studiert und später im englischen Bath ein Forschungsstudium mit dem Master in Architektur im Bereich Membranbau abgeschlossen. Er arbeitete für Architekten und Ingenieure in Großbritannien, Deutschland, den USA und den Niederlanden, bevor er im Jahr 2000 für das international tätige Planungs- und Beratungs-unternehmen Arup den Aufbau der Fassadenplanung in Berlin übernahm. Er wurde später Europa-Chef dieses Bereiches und ist heute Global Leader des Building Envelope Teams bei Arup. Rudi Scheuermanns Fokus liegt auf der multidisziplinären Planung von nachhaltigen Gebäudehüllen.

 

 


Pressemitteilung als Download:
11_Zukunft_Dach_D_H2018_DE.pdf
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